Eine Fotoreise Zum Federsee
Der Federsee gehört für mich zu den faszinierendsten Natur- und Fotografiegebieten Süddeutschlands. Zwischen Moorlandschaften, Schilfgürteln und endlosen Holzstegen eröffnet sich eine einzigartige Welt voller Vogelstimmen, wechselnder Lichtstimmungen und überraschender Begegnungen mit Wildtieren.
Seit meinem ersten Besuch am Federsee, sind zwei Fotoreisen im Jahr Pflicht! Ich plane also einmal im Frühjahr und einmal im Herbst an diesen wunderbaren Ort zu fahren.
In diesem Guide möchte ich meine Begeisterung und Erfahrungen mit euch teilen.
Meine Highlights
Fotos: Melanie Miedl
Unterschiedliche Jahreszeiten bringen unterschiedliche Eindrücke und Erlebnisse am Federsee mit sich. Für mich gehören die Bartmeisen und Starenschwärme im Herbst zu den unvergesslichsten Momenten, die ihr euch nicht entgehen lassen solltet.
Neben den Stand- und Brutvögeln gibt es auch viele Durchzügler und weitere tierische Gäste. Der Nabu am Federsee berichtet regelmäßig über spektakuläre Besucher und stellt auch eine Artenliste zur Verfügung.
Das erwartet dich in diesem Guide:
Vorbereitung & Planung
Verschiedene Jahreszeiten - verschiedene Stimmungen
Anreise- & Parkmöglichkeiten
Die Gegend rund um den Federsee
Artenvielfalt entdecken
Meine Tipps & Erfahrungen
Vorbereitung & Planung
Wie der Besuch am Federsee vorbereitet wird, hängt für mich ganz klar an der Frage des Motivs. Unterschiedliche Jahreszeiten bieten unterschiedliche Zug- bzw. Standvögel und einzigartige Naturschauspiele, wie zum Beispiel die Starenschwärme im Herbst. Je nachdem, was ich vor die Linse bekommen möchte, informiere ich mich also erst einmal wann und wo diese Vögel zu finden sind.
Es gibt dabei unterschiedliche Möglichkeiten sich die notwendigen Informationen einzuholen, ich setze allerdings auf die Webseite des Nabu Federsee. Hier wird relativ genau beschrieben, welche Beobachtungen zu welcher Jahreszeit möglich sind. Über den Instagram Kanal wird auch regelmäßig über besondere Besucher oder anstehende Naturevents aufmerksam gemacht. Meinen Erfahrungen nach bringt die Veröffentlichung über Social Media aber auch mehr Gäste mit sich, also informiere ich mich lieber etwas unabhängiger und “warte” nicht darauf, bis die Meldungen online sind. Meinen Besuch plane und buche ich daher schon meist ein halbes Jahr im Voraus.
Das Frühlingserwachen ist am Federseemoor ein Highlight für sich. Kostenlose Vogelkonzerte und je nach Zeitraum auch die ersten Jungvögel. Während des Sommers habe ich den Federsee noch nie besucht. Ich konzentriere mich meist auf die Monate April bis Mai oder den Oktober. Je nachdem was ich mir für Motive wünsche, plane ich auch die Dauer meines Besuchs. Ich bevorzuge zwei Nächte, um jede Tageszeit entspannt mitnehmen zu können.
So könnte dein Besuch ablaufen
Tag 1 - Anreise
Ich fahre ca. 2,5 Stunden von mir zuhause zum Federsee. Ich wähle gerne die Strecke abseits der Autobahn und baue die eher ländlichere Umgebung auf meinem Kurzurlaub mit ins Programm ein. Auf meinem Weg komme ich also am Schloss Liechtenstein oder am Kloster Zwiefalten vorbei - was absolut sehenswert ist und definitiv ein nicht zu vernachlässigendes Fotomotiv hergibt.
Meine Ankunft am Federsee plane ich zwischen 9 und 10 Uhr am Morgen und nutze den Zeitraum, wenn viele der Fotografen bereits ihre erste Runde hinter sich haben und der Steg sich etwas leert. Interessanterweise habe ich meine besten Bilder der Bartmeisen genau um diese Uhrzeit machen können.
Nach einer ersten Runde am Steg, mache ich mich auf dem Weg zur Pension und richte mich ein, sichere die ersten Fotos und plane, je nach Wetter, meinen weiteren Tagesverlauf. Meist komme ich so gegen 13 Uhr im Hotel an und starte meine zweite Runde so gegen 16 Uhr. Dann nutze ich die volle Nachmittags- und Abendstimmung aus. Neben den wilden Motiven, gibt der Federsee auch landschaftlich einiges her. Ein Supermond vom Federsee aus zu beobachten, ist wirklich empfehlenswert!
Tag 2 - Morgenstimmung
Am zweiten Tag stehe ich früh auf und drehe meine erste Runde schon vor dem Frühstück. Das hängt natürlich stark von der Jahreszeit ab, im Herbst kann ein frühestmögliches Frühstück auch schon vor dem ersten Besuch sinnvoll sein. Ein früher Morgen am Federsee ist einmalig. Oft hängt der Nebel noch über dem Steg, was eine ganz besondere Stimmung mit sich bringt. Es zeigen sich zudem viele Tiere, die einem Tagsüber eher verborgen bleiben. So konnte ich bei meinem letzten Besuch eine Biberfamilie dabei beobachten, wie sie wieder zurück in ihren Biberbau geschwommen sind. Meine ersten Biber - was eine Freude!
Auch jetzt hängt der weitere Tagesverlauf vom Wetter und meinen bisher gelungenen Fotos ab. Nach der ersten Runde gehe ich zurück zur Pension und mache eine kurze Pause, lade Akkus, sichere Bilder und überlege, was mir an Wunschmotiven noch fehlt. Das hat jedoch mehr Auswirkungen auf den Verlauf des nächsten Morgens, denn unabhängig davon ziehe ich auch jetzt spätestens am Nachmittag wieder los und streife bis zum Abend durch das Gebiet. Den Fokus des zweiten Nachmittags lege ich allerdings mehr auf Scouting der Umgebung und meine Ortskenntnisse zu erweitern. Für mich hängt der fotografische Erfolg, neben einer Portion Glück, auch mit der Vertrautheit der Umgebung zusammen.
Tag 3 - Letzte Wunschmotive anstreben
An meinem letzten Vormittag lege ich den Fokus auf die noch nicht erzielten Wunschmotive. Ist es die frühmorgendliche Stimmung, die ich nochmal einfangen möchte? Dann klingelt der Wecker natürlich nochmal früh. Geht es mehr um Landschaft und tagaktive Motive? Dann checke ich erst einmal gemütlich aus und gehe gegen 10 Uhr zum Steg.
Am letzten Tag zählt für mich aber auch eins: Die Stimmung aufsaugen und dieses unbeschreibliche Gefühl, dass ich am Federsee bekomme, verinnerlichen, um so lange wie möglich davon zu zehren.
Verschiedene Jahreszeiten - verschiedene Stimmungen
Anreise & Parkmöglichkeiten
Direkt am Federseesteg gibt es einen großen Parkplatz und die Gebühren liegen zwischen 2 und 4 € - je nach Parkdauer. Früh morgens ist dieser noch relativ leer, füllt sich je nach Wochentag im Laufe des Tages. Ladestationen für E-Autos gibt es nicht, dafür Wohnmobilstellplätze. Die Stehgebühren sind mir nicht bekannt. Weitere Informationen und alternative Anreisemittel können auch direkt über die Webseite von Bad Buchau eingeholt werden.
Viele Besucher kommen auch mit dem Rad. Es gibt dementsprechend Fahrradständer. Generell ist ein Fahrrad sehr zu empfehlen! Die unterschiedlichen Orte lassen sich so relativ schnell abfahren und die Gegend kann auf eigene Faust erkundet werden.
Der Federseesteg kostet 2,50 € Eintritt und ist barrierefrei. Bis zum Jahr 2025 war der Besuch beim Vorzeigen der Gästekarte Bad Buchau kostenfrei. Mit dem seit 2026 gültigen GästePass Bad Buchau ist der Besuch am Federsee nicht mehr inkludiert.
Hunde dürfen angeleint mit auf den Steg genommen werden.
Die Landschaft rund um den Federsee
Meine Lieblingsplätze
Federseesteg
Banngebiet Staudacher und dahinterliegender Wald
Ausläufer Federseeried
Am Banngebiet Staudacher ist meist etwas ruhiger als direkt am Federseesteg und den Aussichtsplattformen.
Foto: Melanie Miedl
Der Federsee ist weit mehr als nur ein einzelner See. Die gesamte Region rund um das Federseebecken bildet eine der beeindruckendsten Moor- und Feuchtlandschaften Süddeutschlands. Zwischen Schilfflächen, Feuchtwiesen, Moorwäldern und kleinen Wasserläufen entsteht eine Atmosphäre, die sich oft eher nach nordischer Wildnis als nach Mitteleuropa anfühlt. Das empfinde ich zumindest, wenn ich die Arten mit meinen Sichtungen im Norden Norwegens vergleiche.
Besonders faszinierend ist dabei, wie abwechslungsreich die Umgebung ist. Während rund um den eigentlichen Federsee dichte Schilfgürtel und Beobachtungsstege dominieren, öffnen sich in den Randgebieten weitläufige Wiesenlandschaften, kleine Moorflächen und naturbelassene Wege, die häufig deutlich weniger besucht sind.
Die nördlichen Ausläufer des Federseerieds rund um Alleshausen, Seekirch oder das Nördliche Federseeried wirken vielerorts ursprünglicher und offener. Hier prägen Feuchtwiesen, Gräben, vereinzelte Büsche und extensive Landwirtschaft das Landschaftsbild. Gerade für Vogelbeobachtung und Naturfotografie bieten diese Bereiche enormes Potenzial – nicht nur für klassische Schilfarten, sondern auch für Greifvögel, Wiesenvögel oder ziehende Arten. Auch die östlichen Bereiche des Federsees besitzen ihren ganz eigenen Charakter. Dort wechseln sich offene Flächen mit kleinen Gehölzen, Übergangsmooren und ruhigen Wegen ab. Besonders in den frühen Morgenstunden entstehen hier häufig mystische Lichtstimmungen mit Nebelfeldern über den Wiesen und goldenem Licht im Schilf. Diese ruhigeren Randzonen laden dazu ein, langsamer unterwegs zu sein und die Landschaft bewusster wahrzunehmen.
Ein weiteres Highlight rund um den Federsee ist der Wackelwald, der seinem Namen alle Ehre macht. Durch den federnden Moorboden beginnt der Untergrund bei jedem Schritt leicht zu schwingen. Zwischen Birken, Moorpflanzen und kleinen Wasserflächen entsteht eine fast verwunschene Atmosphäre, die besonders in den frühen Morgenstunden oder bei Nebel ihren ganz eigenen Charakter entwickelt. Auch rund um den Wald lassen sich viele Tiere, wie Fuchs, Reh oder Wildschweine beobachten.
Das gesamte Federseemoor gehört mit rund 33 km² zum größten Moorgebiet Südwestdeutschlands und beherbergt eine außergewöhnliche Vielfalt an Lebensräumen – vom offenen Wasser über Niedermoore bis hin zu Hochmoorbereichen. Genau diese Mischung macht das Gebiet so besonders für Naturbeobachtung, Birding und Wildtierfotografie.
Was die Region für mich jedoch wirklich einzigartig macht, ist ihre Stimmung. Trotz der vielen Besucher lebt die Gegend von Ruhe, Geduld und kleinen Beobachtungen: das Rascheln im Schilf, ziehende Nebelschwaden über dem Moor oder plötzlich auftauchende Arten wie Bartmeise, Blaukehlchen, den Rufen des Kuckucks, die über das ganze Gebiet zu hören sind oder einem Fischadler, der aus dem Nichts auftaucht. Gerade in den abgelegeneren Randbereichen entsteht oft das Gefühl, mitten in einer nahezu unberührten Naturlandschaft unterwegs zu sein.
Auch hierzu gibt es wieder ergänzende Tipps auf der Webseite des Nabu Federsee.
Ein Rohrschwirl an einem Frühlingsmorgen im Federsee-Schilf.
Aufnahme: Melanie Miedl
Artenvielfalt entdecken
Das erste Mal aufmerksam wurde ich auf das Gebiet, als mein Instagram Feed vollgespült mit diesen wunderschönen Fotos der Bartmeisen war. Schnell war für mich klar: ich muss unbedingt herausfinden, wo diese fotogenen Vögel auch in meiner Nähe zu finden sind. So bin ich erstmalig auf diese einzigartige Region des Federseemoors gestoßen und habe schnell gelernt, das dieses Gebiet eines der Hotspots überhaupt ist. Und meine bisherigen Besuche haben dies jedes einzige Mal bestätigt.
Über die Webseite vom Nabu wird eine Artenliste (PDF Download) zur Verfügung gestellt, mittels dieser man sich einen umfassenden Überblick zu den dort gesichteten Vogelarten und weiteren Informationen zur Jahreszeit sowie Zugverhalten verschaffen kann.Ich habe bisher folgende Vogelarten entdeckt:
Amsel, Bachstelze, Bartmeise, Bekassine, Blässhuhn, Blaukehlchen, Blaumeise, Buntspecht, Eichelhäher, Eisvogel, Feldsperling, Fischadler, Flussseeschwalbe, Gänsesäger, Gartenbaumläufer, Graureiher, Hausrotschwanz, Haussperling, Höckerschwan, Kampfläufer, Kiebitz, Kleiber, Kohlmeise, Kormoran, Kornweihe, Kuckuck, Lachmöwe, Mäusebussard, Nilgans, Rauchschwalbe, Rohrammer, Rohrschwirl, Rohrweihe, Rostgans, Rotkehlchen, Schilfrohrsänger, Schwanzmeise, Schwarzkehlchen, Schwarzmilan, Silberreiher, Star, Stieglitz, Stockente, Sumpfmeise, Teichralle, Teichrohrsänger, Turmfalke, Wacholderdrossel, Zilpzalp
Folgende Wildtiere habe ich bereits gesehen - Wildschweine blieben bisher leider aus:
Biber, Fuchs, Nutria, Nutria
Meine Tipps & Erfahrungen
Bei meiner Planung orientiere ich meist an den lokalen Veranstaltungen und Führungen des Nabus - das sind genau die Tage und Stoßzeiten, die ich zu meiden versuche. Es kommt nicht selten vor, dass mehrere Reisebusse ankommen und der ganze Steg überflutet wird. Da ich eher Ruhe und Randzeiten bevorzuge, kommt es mir oft zugute mich vor der Buchung über anstehende Events zu informieren. Hierüber kann man sich auch auf der Webseite des Nabu Federsee informieren. Es gilt dann aber nur zu beachten, dass außerhalb der Stoßzeiten auch Lokale und Öffnungszeiten eingeschränkt sein können. Montags haben viele Restaurants ihren Ruhetag und auch die Kiosk am Federsee waren oft geschlossen.
Auch ein frühes Aufstehen ist meist nicht zwingend notwendig, um beispielsweise Bartmeisen oder Blaukehlchen anzutreffen. Ersteres habe ich im Herbst auch überwiegend Vormittags (zwischen 9 und 10 Uhr) auf dem Steg antreffen können und das Blaukehlchen bisher ausschließlich abends, wenn es den Tag mit unvergleichlichem Konzert beendet.
Die “besten” Plätze am Steg sind meist früh belegt. Fotografen stellen hier morgens ihre Stative auf und weichen oft für mehrere Stunden nicht von der Stelle. Wenn man dies also plant, sollte man früh morgens da sein. Meiner Erfahrung nach ist es aber auch vielversprechend den Steg in Ruhe entlang zu laufen, sich hin und wieder für mehrere Minuten auf den Sitzbänken niederzulassen, einfach mal abzuwarten und auf das Rascheln im Schilf zu reagieren. Neben Fotografen und Ornithologen sind auch Kurgäste rund um den Steg unterwegs.
Die ersten Male war ich immer zu Fuß unterwegs und habe mein Auto am Steg unten geparkt. Das bietet zwar den Vorteil, Wechselkleidung oder diverse Ausrüstung bis zum Gebrauch im Auto zu lassen und nicht mich sich tragen zu müssen, macht allerdings den Locationwechsel etwas zeitintensiver. Ich bevorzuge es inzwischen mein E-Bike dabei zu haben und die Gegend mit dem Fahrrad abzufahren. Oft können die Fahrräder in der Unterkunft direkt untergestellt werden, auch in der Innenstadt und am Federseesteg gibt es Fahrradständer und -stationen für Luft und Akkuladung.
Es gibt viele Unterkünfte und Pensionen in Bad Buchau, die sich für einen mehrtägigen Besuch eignen. Auch viele Restaurants und Cafés finden sich in der Innenstadt. Ich nächtige am liebsten in der Pension Stern und schätze die unvergleichbare Gastfreundschaft. Der Inhaber beherbergt des öfteren Fotografen und ist vor allem mit den Frühstückszeiten sehr entgegenkommend.